Moskito – Tarp

In Vorbereitung unserer Gran Sabana Tour stellte sich auch die Frage nach dem optimalen Wildniscamp. Hängematten oder ein Bergzelt für uns drei standen zunächst zur Auswahl. Drei Anforderungen musste unser Lager erfüllen:

- Schutz vor den starken Niederschlägen in der Regenzeit
- Schutz vor stechenden Insekten
- genügend Bewegungsfreiheit zum Kochen, Packen, etc. im Lager

Das Zelt schied wegen des beengten Raumes von vornherein aus. Kleine, leichte Hängematten mit Moskitonetz führten wir mit. Aber sie bieten nur Schutz beim Schlafen, es wird jeweils eine zusätzliche Plane als Regenschutz benötigt und es ist nicht immer sichergestellt, dass man sie auch einsetzen kann. Am besten wäre ein großes, schützendes Dach … Und dann hatten wir eine Idee:
Unsere 3 x 4 Meter große Tatonka-Tarp hatte uns schon einige Jahre gute Dienste geleistet. Schutz vor Regen, Platz zum Schlafen und Bewegungsfreiheit sind bereits gegeben. Fehlt noch der Mückenschutz. Und so entstand mit etwas Material und Petras Nähmaschine in folgenden Schritten unsere Moskito-Tarp:

Material


Ein Tarp (Maße 3 x 4 Meter)
Ursprünglich besaßen wir ein Tatonka-Tarp 3 x 4 m, Gewicht 1,6 kg (vor dem Umbau). Am Ende unserer Gran Sabana Tour haben wir es unserem Freund Juan Lambos geschenkt.
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Unsere neue Tarp ist von Wechsel. Gleiche Maße bei halbem Gewicht, weniger Dehnung in nassem Zustand und deutlich kleineres Packmaß.



15 Meter Klettband (20 mm breit/zum Aufnähen)
Stabiles Klettband mit langlebiger Haltekraft und hoher Nässeunempfindlichkeit gibt es bei Lauche&Maas.
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15 Meter Moskitostoff (180 cm breit/ Nylon/schwarz)
Gibt es als Meterware in den Längen ein Meter, drei Meter, sechs Meter. Für ein Tarp in den Maßen 3 x 4 Meter (= 14 Meter Umfang) werden 15 Meter benötigt. Also 2 x sechs Meter und ein x drei Meter. Schnell trocknend und verrottungsfest.
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15 Meter Edelrid Reepschnur (3 mm)
Aus Nylon. Stabil und nahezu unzerstörbar.
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Arbeitsschritte

Moskitostoff:
Wird in den Längen 6 Meter (2 Packungen) und 3 Meter (1 Packung) geliefert. Mittels Nähmaschine werden die drei Stücke zu einer 15 x 1,80 Meter langen Stoffbahn verbunden.



Haftband:
Das Haftband wird an einer Ecke der Tarp beginnend am äußeren Rand auf der Unterseite der Plane mit zwei parallel laufenden Nähten angenäht. Dabei werden die Ecken leicht diagonal übersprungen, um die dort befindlichen Ösen außerhalb des Haftbandes zu lassen.
Zurück am Ausgangspunkt überlappt das Haftband um ca. einen Meter. Dieses Stück wird, nach innen versetzt, direkt neben das bereits befestigte Haftband genäht. Um diese Länge überlappt später auch der Moskitostoff. Das wird der Eingangsbereich.


Reepschnur:
Die Reepschnur in 60 cm lange Stücke schneiden. Diese werden beim Annähen des Haftbandes in Abständen von 50 cm so zwischen Tarp und Haftband genäht, dass zwei jeweils gleich lange Enden innen und außen bleiben. Wie bereits weiter oben zu sehen ist, wird auch in den Ecken eine Reepschnur mit eingenäht. Sie dienen später beim Verpacken der Dschungel-Tarp zum Raffen und Hochbinden des Moskitonetzes.


Flauschband:
Das Flauschband wird mit zwei parallel laufenden Nähten an einer Längsseite der 15 Meter langen Moskitostoffbahn angenäht. Ein Säumen der anderen Längsseite ist nicht notwendig.


Gurtbandkreuz:
Dient der Aufnahme und Fixierung einer Mittelstange. Die Enden zweier Gurtbänder (Länge 20 cm; Breite 2 cm) werden so umgenäht, dass jeweils eine Schlaufe mit etwa 1 cm Durchmesser entsteht. Anschließend werden die Gurtbänder im Kreuz übereinander gelegt und dort zusammen genäht. Dieses Kreuz wird in die Mitte auf der Unterseite der Tarp genäht (Kreuzpunkt der Diagonalen). Als Gegenstück auf die Oberseite ein quadratisches Stück Gurtband (3 x 3 cm) nähen. Durch die vier Schlaufen wird ein ca. 1 Meter langes Stück Reepschnur (doppelt genommen/siehe Foto) gezogen.

Einsatz

Der Einsatz der Moskito-Tarp ist natürlich überall dort möglich, wo die stechenden Plagegeister die Fauna bereichern. Also nicht nur im Dschungel, sondern genauso in Taiga, Tundra, auf der Mecklenburgischen Seenplatte, an den Altrheinarmen, … Kinder können darunter spielen, man kann das Essen kochen, in Ruhe ein Buch lesen oder sogar darunter schlafen. Durch die Verwendung des Klettbandes kann das Moskitonetz jederzeit komplett abgenommen werden. Hochgebunden verbleibt der Mückenschutz in Bereitschaftsstellung und ist in Sekunden aktiviert.

Zusammenbau

An der Ecke der Tarp, wo das Haftband überlappt, beginnend, wird durch Andrücken des Flauschbandes an das Haftband das Moskitonetz mit der Plane verbunden. Dabei darauf achten, dass bei den Reepschnüren ein Teil innen und der andere Teil außen hängt.

Aufbau (kein Seitenwind-Einfluss)

Im dichten Dschungel, wo seitlicher Wind kein Problem darstellt, wird die Tarp jeweils an den Ecken auf insgesamt vier 120 bis 150 cm hohen Stangen (bzw. Ästen, Baumstamm) abgespannt. Das obere Ende einer weiteren, max. 170 cm langen Stange wird in das Gurtbandkreuz gesetzt, die Stange senkrecht gestellt. Die Plane wird in der Mitte damit so angehoben, dass Regenwasser nach allen Seiten ablaufen kann. Fixierung der Stange am Gurtbandkreuz durch Straffziehen, Umwickeln und Verknoten der Reepschnur. Zusätzliches Abspannen mittels Reepschnur und Schlaufen (nicht Ösen!) an den Seiten nach Bedarf. Das frei hängende, unten aufliegende Moskitonetz wird mit Steinen, Ästen oder Ausrüstungsgegenständen so beschwert, dass kein Zug auf das Material entsteht. Diese Variante bietet den meisten Platz, aber keinen Schutz vor Seitenwind.

Tipp: Der Größenunterschied zwischen den vier äußeren Stangen und der Mittelstange sollte 20 cm nicht überschreiten, da die Seitenränder der Tarp in gespanntem Zustand ansonsten bogenförmig nach innen gezogen werden und die Nutzfläche verkleinern. Im Bild ganz oben ist die Differenz noch größer. Man wird erst durch Erfahrung klüger ;-)

Aufbau (mit Seitenwind-Einfluss)

In Gelände mit Windeinfluss wird die Schmalseite der Tarp quer zur Windrichtung am Boden fixiert (Heringe). Das Moskitonetz bleibt an dieser Seite hochgebunden. Jetzt in Windrichtung auslegen. An den beiden freien Enden und jeweils an der Mitte der Längsseiten wird die Tarp unter Ausnutzung der Gegebenheiten (Baumstamm, Äste, Zeltstangen, …) in einer Höhe zwischen 120 und 140 cm so verspannt, dass ein wagerechtes Dach entsteht, während die hintere Hälfte der Plane schützend bis zum Boden reicht. Das Moskitonetz hängt vorn und an den Seiten frei herunter. Beschweren des unteren Randes wie oben erläutert.

Tipp: Die Tarp nicht zu hoch spannen, da sonst die hintere Plane in steilem Winkel zum Boden verläuft. Der Wind erhält dadurch eine größere Angriffsfläche und der Platz unter der Tarp wird reduziert. Regenwasser läuft am besten zur Seite ab, wenn die Tarp an einer der vorderen Ecken etwa 15 – 20 cm tiefer abgespannt wird.

Abbau

Zuerst wird das Moskitonetz rundum nach oben gerafft und mittels der Reepschnüre am Rand der Tarp festgebunden. Anschließend die Befestigungen lösen, die Tarp der Länge nach mehrfach falten und danach zusammenrollen. Mit dem Moskitonetz passt die Tarp meist nicht mehr in den originalen Packsack. Der Beutel sollte groß genug sein (zum Beispiel eine ausgediente Schlafsackhülle), dass das Verpacken nicht zum nervigen Gewurstel wird. Oft genug wird es passieren, dass man die Tarp nass einpacken muss. Dann jede Möglichkeit zum Trocknen nutzen, um die Lebensdauer zu erhöhen.

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