Kåta von Tentipi

Seit dem Frühjahr 1997 sind wir mit dem Kåta auf Tour. Wir besitzen das Modell Tåpp Jakt 7, dass beim Hersteller inzwischen von dem weitgehend konstruktionsgleichen Modell Safir abgelöst wurde. Durch die robuste Baumwoll/Polyester-Mischung der Plane liegt das Gewicht bei nur 9 kg und sie ermöglicht auch ein offenes Feuer im Zelt. Für zwei eingespielte Personen ist der Aufbau mit den acht rundum liegenden Heringen und der Mittelstange in 15 Minuten erledigt. Es sei denn, man muss die Heringe z.B. in sandigem Boden halbmetertief eingraben. Sind die Heringe ordentlich verankert, steht das Zelt mit (bei Bedarf) bis zu 16 Sturmleinen auch im dicksten Sturm mauerfest. Mit 13 qm Fläche und 2,72 m Mittelhöhe bietet das Kåta zusammen mit dem Outdoor-Ofen uns Vieren nicht nur Schutz und Zuflucht, sondern Wohnkomfort auf höchstem Niveau – ob in der Kälte Alaskas, den Stürmen Patagoniens oder den Moskitoschwärmen Labradors. Es ist das beste Zelt, das wir kennen! Selbst auf anspruchsvollen Trekkingtouren (bis über 4000 m) hatten wir es im Rucksack dabei, und der Komfortgewinn anstelle zweier alternativer Bergzelte (für jeweils zwei Personen) war unbezahlbar. Sommers wie Winters ist es nunmehr im sechzehnten Jahr im teilweise extremen Einsatz. Im Frühjahr 2002 haben wir den Reißverschluss am Eingang ausgewechselt, weil er durch häufige Beanspruchung (Zugspannung) bei starkem bis stürmischem Wind ganz ausgeleiert war und sich nicht mehr schließen ließ. Im Sommer 2003 habe ich (vorsichtshalber) die Nähte der Abspanngurte am Erdstreifen verstärkt. Die Plane lässt sich bei Bedarf nach imprägnieren. Tipp: Wer nicht vorhat, das Zelt auch auf Rucksacktouren zu benutzen und bei mehr als zwei Personen, kann die große Option Safir 9 wählen (12,8 kg). Der Raumgewinn ist noch mal beträchtlich. Für unsere Bedürfnisse haben wir einige Veränderungen an dem Kåta vorgenommen. Neu 2004 ist unser selbst konstruiertes Lining für den Einsatz in extremer Kälte, das sich am South Nahanni River hervorragend bewährt hat.

TIPP: Wer ein solches Zelt haben oder testen möchte, findet ganz unten auf dieser Seite entsprechende Hinweise.

Modifizierter Eingang

Auf den folgenden Bildern ist das Wesentliche dargestellt: Am auffälligsten ist der Eingangsbereich. Wir haben an der “Tür” zwischen Erdstreifen und Plane einen horizontalen Reißverschluss eingezogen (inzwischen mehrfach kopiert), wodurch der Erdstreifen rundum geschlossen bleiben kann. Das hat den Vorteil, dass bei niedrigen Temperaturen die Wärme im Zelt besser gehalten wird. In Sand oder Schnee kann dieser Teil des Erdstreifens mit “eingegraben” werden, was die Stabilität erhöht und den Zugang vereinfacht. Bei Bedarf lässt sich der Erdstreifen mittels Reißverschluss auf der linken Seite auch ganz öffnen und man hat wieder den ursprünglichen Eingang. Da auf diesen Reißverschluss starke Zugkräfte wirken (im Bild gut zu sehen), wird er am oberen Rand durch eine innen angenähte Schnalle entlastet.


Zugentlastung

Stabile Gummiringe zwischen Hering und Abspannung nehmen Zugspannung von den Stresspunkten ohne die Stabilität zu gefährden. Von den über die Preisinfo angegebenen Gummiringen die Version 85 x 6 x 3 mm nehmen. Den Ring einmal um den Hering legen, das andere Ende geschlossen durch die Abspannschlaufe ziehen und noch mal um den Hering legen. Der Gummiring liegt jetzt doppelt, was die Stabilität erhöht und ein Überdehnen des Gummis verhindert. In weichem Boden (Sand) halten die Heringe nicht. Wir graben dann mit dem Spaten ein halb Meter tiefes Loch. Durch den Gummiring wird ein ca. 40 cm langes, stabiles Holzstück gesteckt, das ganze horizontal auf den Grund des Loches gelegt und dann zugeschaufelt. Abschließend wird auf den Erdstreifen rundum laufend ebenfalls Sand gehäuft. Im felsigen Boden Labradors hatten wir nur zu oft keine Chance, einen Hering hinein zu bekommen. Steine gibt es dort im Überfluss und so haben wir auf die acht Abspanngurte jeweils einen großen, schweren Stein gelegt.
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Heringe

Es kann durchaus eine fast unendliche Geschichte werden, bis man vernünftige Heringe für die Kåta findet, obwohl es auch hier die Eier legende Wollmilchsau nicht gibt. Diese Heringe aber haben uns wirklich überzeugt. 25 cm lang, 56 g leicht, Aluminium, T-Profil, preiswert. Dabei sind sie sehr robust und verschleißfest, greifen auch in harten und schwierigen Böden, wie grobem Kies als Untergrund, ohne sich zu verbiegen oder am Kopf zu reißen bzw. zu splittern. Eine Empfehlung!
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Inneneinrichtung

Wir benutzen kein Innenzelt und keinen Boden. Links und rechts befinden sich je ein oder zwei Schlafplätze. Direkt hinter der Mittelstange steht der Ofen, dessen Abzugsrohr an der Stange befestigt ist. Dadurch entsteht viel Raum im vorderen Teil des Zeltes. Des weiteren klemmen zwei Kerzenhalter und drei Haken (für Kleidung etc.) an der Mittelstange. An der Rückwand hängen zwei Alustäbe mit Haken für die Bestecktasche, Tassen, Haushaltsrolle, uvm. an der Plane. Von links nach rechts stehen an der Rückwand der Wasserkanister, die Verpflegungskiste, die Kiste für den Ofen (beliebter Sitzplatz) und der Flechtkorb mit dem Feuerholz. Das ist die Variante, wenn wir mit dem Auto anreisen. Bei Gepäcktouren mit dem Kanu entfallen Verpflegungskiste (statt dessen Tonne), Teppich und Holzkorb.
Unsere Isomatten liegen auf billigen, 2×2 m großen Planen aus dem Autohandel. Unter bestimmten Witterungsbedingungen kann sich darauf beträchtlich Schwitzwasser bilden. Wir spannen das Zelt deshalb immer nach außen ab und der äußere Rand der Unterlage wird am Oberrand des Erdstreifens befestigt. Die Wirkung ist wie beim Lining in den Tipis der Prärie-Indianer. Die Luft kann zirkulieren und nimmt Feuchtigkeit nach oben mit. Für die kalte Jahreszeit kann man das Lining noch höher ziehen und rundum laufen lassen (Siehe auch auf den folgenden Bildern). Wenn wir zu viert unterwegs sind, liegen links und rechts jeweils zwei Schlafplätze. Um tagsüber mehr Platz zu haben, wird der innere zur Zeltwand über den äußeren geklappt.


Aufbau und Einrichtung im Wintereinsatz

Die ausgewählte Fläche mit Schneeschuhen oder Füßen festtreten. Danach wie üblich den Mittelpunkt festlegen und von dort mit der Schnur einen Kreis ziehen, der den Außenrand des Zeltes bestimmt. Entlang dieses Kreises wird der Schnee mit der Schaufel bis zum Boden (Erd- oder Eisoberfläche) entfernt und dort die Heringe eingeschlagen. Zusätzlich wird der in der linken Skizze gestrichelt dargestellte Bereich ebenfalls bis zum Boden vom Schnee frei geschaufelt. Auf den beiden unten folgenden Skizzen ist gut zu erkennen, dass dadurch in der Zeltmitte ein Gang entsteht, sowie eine rundum laufende Schneebank, auf der die Schlafplätze eingerichtet werden, die dadurch höher und wärmer liegen. Weiterhin werden dort Ausrüstungsteile, wie Kochutensilien, Verpflegung, Bücher so abgelegt, dass sie jederzeit zur Hand sind. Zum Kochen, Essen, etc. kann man bequem auf dieser Schneebank sitzen. Auf den Schlafplätzen befinden sich stabile Rettungsdecken (in der Skizze grau dargestellt) mit der silbern beschichteten Seite nach oben, wodurch abgestrahlte Körperwärme wieder zurück reflektiert wird. Darauf liegen die Therm-a-Rest-Matten (grün) und darauf die Schlafsäcke. Ist man zu zweit unterwegs, bleibt zwischen Zeltwand und Schlafsäcken genügend Platz, um die Kleidersäcke zu deponieren, was zusätzliche Isolation bringt. Ansonsten liegen auf jeder Seite bis zu zwei Schlafplätze. Der Ofen befindet sich hinter der Zeltstange, wodurch mehr Bewegungsfreiheit im Eingangsbereich entsteht. Die rote Markierung kennzeichnet das, bis auf den Eingang, rundum laufende Lining.
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Lining für den Einsatz in starker Kälte

Als Vorbereitung auf unsere Wintertour an den South Nahanni River haben wir ein Lining für das Kåta konstruiert, wie es auch die Plains-Indianer in ihren Tipis verwendeten. In den unten stehenden Skizzen sind die Umrisse des Linings rot gekennzeichnet. Es besteht aus sieben trapezförmigen Feldern. Diese sind im Prinzip deckungsgleich mit einer Zeltbahn zwischen zwei Nähten, beginnend ab Höhe Lochband zur Befestigung der langen Sturmleinen (Höhe 1 in Skizze). Daraus ergeben sich bei der 7er Kåta folgende Einzelmaße:

  • Breite oben: ~ 80 cm (entspricht Abstand zwischen zwei Lochbändern für die langen Sturmleinen)
  • Breite unten: ~165cm
  • Seitenlänge: ~ 172cm (der auf dem Boden liegende Stoff wird nach innen umgeschlagen)

Die angegebenen Maße sind ca-Werte. Für den Nachbau empfehlen wir, am eigenen Zelt selbst Maß zu nehmen. Es gilt die goldene Mitte zu finden. Sitzt das Lining zu straff, verringert sich seine Wirkung, hängt es durch, stört es innen.
Befestigung des Linings: Bei den Punkten 1 und 3 wird jeweils ein Plastikring angenäht. Bei Punkt 2 wird das innen liegende Lochband (dient der Befestigung des Schnurfangs zur Regulierung der Lüftungskappe) benutzt. An der entsprechenden Stelle des Linings wird ein Plastikknebel angenäht. Ring und Knebel stammen von Bergzelten, wo man damit das Innen- mit dem Außenzelt verbindet. Erhältlich als Ersatzmaterial im Outdoorhandel. Bei acht Nähten ergibt das insgesamt vierundzwanzig Abspannpunkte. In unserer Kåta können wir damit jetzt schnell und sicher das Lining einhängen. Der auf dem Boden aufliegende Stoff wird nach innen umgeschlagen. An jeder Zeltnaht gibt es der Länge nach drei Abspannpunkte:

  1. Höhe Lochband für lange Sturmleinen
  2. Lochband für Schnurfang Lüftungskappen-Bedienung
  3. Oberer Rand des Erdstreifens

Ein Trick, den schon die Indianer anwendeten: In extremer Kälte löst man den Knebel in Höhe des Erdstreifens (Punkt 3) und zieht das Lining nach innen, wie in neben stehender Skizze. Damit wird der Innenraum verkleinert und das Heizen erleichtert ;-) Wichtig: Um die Zeltplane zu entlasten und ein Durchhängen zu vermeiden, empfehlen wir, das Zelt beim Einsatz des Linings mit allen sechzehn Sturmleinen abzuspannen.


Einsatz am South Nahanni River

Auf dieser Innenansicht sind einige Details der Raumaufteilung gut zu erkennen. Die rundum laufende Schneebank, die links und rechts als Schlaf- und Sitzplatz und im hinteren Bereich als Ablage dient. Der Ofen hinter der Zeltstange wird etwas durch die Ofenkiste im Vordergrund verdeckt, die wir als Tisch benutzen. Gut zu sehen auch das Lining, das aus einem sehr leichten, aber robusten und wasserdichten Stoff besteht. Aus Gründen der einfacheren Handhabung ist unser Lining zweigeteilt. Wir haben jeweils drei bzw. vier Felder zusammen genäht. Auf dem Bild ist zu sehen, dass sich die beiden Teile im linken hinteren Bereich der Kåta treffen. Dort fixieren wir auch den Schnurfang für die Bedienung der Lüftungskappen in der Zeltspitze, der sonst hinter dem Lining nicht erreichbar wäre. Die Rettungsdecken auf den Schlafplätzen werden auf den nach innen umgeschlagenen Stoffstreifen des Linings gelegt.

Das Lining bringt zusätzliche Isolation von 25-30 %, wodurch das Zelt schneller und leichter zu heizen ist. Der Wirkungsgrad wird deutlich, wenn Schnee auf den Planen liegt oder das Zelt nach einem Regen nass ist. Wird das Zelt dann geheizt, taut der Schnee im oberen Bereich weg bzw. trocknet es dort sehr schnell. Da, wo das Lining beginnt, bleibt der Schnee liegen bzw. trocknet die Plane viel langsamer, da die isolierende Wirkung des Linings die Wärme nicht so schnell nach außen entweichen lässt. Es ist der optische Beweis für die hohe Funktionalität. Dazu kommt gerade bei feuchtem Wetter ein deutlich angenehmeres, trockenes Raumklima, da durch die Hinterlüftung feuchte Luft nach oben mitgenommen wird. Es ist deshalb sinnvoll, die Lüftungsöffnungen im Erdstreifen geöffnet zu halten.


Zeltboden für das Kåta

Wolfgang Helfrich fertigt für das Kåta einen Zeltboden in hoher Qualität und aus einem äußerst robusten Material. Der Clou ist, dass man beim Aufbau keine Schablone und keine Schnur mehr benötigt, da die Umrisse des Bodens genau dem Grundriss des Zeltes entsprechen. Also einfach auf der Erde ausbreiten, Heringe einschlagen, Zeltschlaufen einhängen und Zelt aufrichten. Der Boden besteht aus schwer entflammbaren Material, so dass für den Ofenbetrieb im Zelt lediglich die üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie z.B. auch auf Grasboden gelten. Beim Titanofen reichen die ausgeklappten Standbügel, für andere Modelle ist u.U. eine feuerfeste Unterlage angebracht. Der Zeltboden kostet 150 Euro. Mehr Infos oder Bestellungen direkt an Wolfgang Helfrich.

Zeltverleih und Test

Die Anschaffung eines Kåtas ist eine Investition für viele Jahre. Hauptkriterien für die richtige Wahl sind Anzahl der Personen, Einsatzzweck und Transportmittel. Ein Praxistest ist hierbei immer noch das beste Mittel, die Entscheidung zu erleichtern.
Bei folgenden Händlern besteht die Möglichkeit, die Kåtas zu leihen und zu testen:
Bei Absolut Canoe können Interessenten gegen eine Gebühr ein Wochenende einschließlich Einweisung auf dem Campingplatz Örtzewinkel buchen. Der Clou: Wer sich zum Kauf entschließt, dem wird ein Teil der Gebühren dabei vergütet. Rabatte gibt es für GOC Mitglieder.
Bei RAFFTAFF gibt es seit dem Frühjahr 2013 ein Testcenter. Im Schwarzwald-Camp am Schluchsee kann man die Tentipis testen und erwerben.


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