Kanu

Das Kanufahren ist eine unserer großen Leidenschaften. Zu unserem Team gehören ein offener Tandem-Kanadier mit festem Rumpf und drei Solo-Open Canoes für den Einsatz im Wildwasser. Dazu durften wir auf großen Touren in Alaska und Labrador die norwegischen Faltkanadier von Ally einsetzen und lernten dabei deren hervorragende, komplexe Vorteile zu schätzen. Es gibt am Markt eine ganze Reihe ausgezeichneter Kanadier für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete. Da wir meist im bewegten, und bevorzugt im Wildwasser unterwegs sind, fiel unsere Wahl auf die unten stehenden Kanus. Einsteigern empfehlen wir vor dem Kauf die Teilnahme an einem Kurs. Dort kann man in unterschiedlichen Stufen die Grundlagen des Kanu Fahrens erlernen, und erhält auch wertvolle Hinweise zur Ausrüstungsbeschaffung.

ALLY Tour 16,5′ DR

Als wir diese Faltkanadier zum ersten Mal sahen, waren wir hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit doch skeptisch. Ein bisschen auf dem See herumschippern ja, aber richtig Kanu fahren, das konnten wir uns nicht vorstellen. Bis wir sahen und lasen, welche Expeditionen mit diesen Faltkanadiern schon durchgeführt wurden und schließlich selbst das Glück und die Ehre hatten, von Scandic Outdoor mit dem Modell Tour 16,5′ DR unterstützt zu werden. Einige unserer Unternehmungen sind dadurch erst möglich geworden. Ob in der Hektik des Eincheckens am Flughafen, ob in der Enge des Buschflugzeuges – wie froh waren wir über minimales Packmaß und geringes Gewicht der zusammengelegten Boote. Kein Übergepäck, keine Mehrkosten, keine Kanumiete, kein teurer Rücktransport der Kanus zum Vermieter. Die Fahreigenschaften der auf unseren Touren schwer beladenen Kanadier haben uns unter den unterschiedlichsten Bedingungen überzeugt.

Aktuelle Preisinfo zum Ally

Material: wasserfeste Außenhaut aus Glasfasergewebe; 15-mm-Schaumstoffmatte im Boden (Auftrieb, Schutz, Isolation), innen liegender Rahmen aus Längs- und Querspanten, bestehend aus wasserbeständigem, zusammenlegbaren Aluminiumrohr.



Nachdem die Dollborde eingesteckt sind, wird die Bodenmatte eingelegt. Die Matte muss symmetrisch ausgerichtet werden. Anschließend werden Bug- und Hecksteven eingesetzt und mit dem langen Kielspant verbunden. Danach werden die restlichen Längsspanten eingesetzt.


Insbesondere der lange Kielspant windet sich hier noch wie ein Aal. Mit dem Einsetzen der Querspanten (von der Mitte beginnend), werden die Längsspanten in Position gebracht und der Kanadier erhält seine stabile Form. Als einziges Werkzeug wird der mitgelieferte Gummihammer benötigt.


Die letzten Korrekturschläge mit dem Gummihammer. Die Trappersitze sind an einem Querspant befestigt. Die Sitzfläche lässt sich nach links und rechts verschieben, wodurch man sich auf der jeweiligen Paddelseite näher an den Süllrand setzen kann. Nach dem ersten gelungenen (!) Aufbau empfiehlt es sich, die Lage der Bodenmatte mit wasserfestem Stift zu markieren. Der erneute Aufbau wird dadurch erleichtert.


Die Persenning mit Bug- und Hecköffnung sowie Gepäckluke ist maßgeschneidert und sitzt wie angegossen. Mit den Spritzdecken für die Paddler bzw. der Lukenabdeckung zuverlässig wasserdicht. Hervorragend im Wildwasser, sinnvoll im Regen.


Fertig zum Start mit Persenning und Wurfsäcken. Für ein eingespieltes Team von zwei Personen ist ein Ally in 15-20 Minuten aufgebaut. Bevor man damit auf Tour geht, sollte man den Aufbau mehrmals üben.


Kanu beladen: Mittels der durchdachten Haken-Befestigung der Persenning an starkem Gummiseil ist deren Öffnen und Schließen ein Kinderspiel. Durch die Gummiseile wird die Persenning straff über die Süllränder gezogen, wodurch dort kein Wasser eindringen kann. Das Gepäck ist sicher verstaut.


Die Faltkanadier verhalten sich im Wasser anders als starre Boote. Da der Rumpf flexibler ist, werden Wellen eher abgeritten als durchschnitten. Beim vorsichtigen Herantasten staunten wir, was alles machbar ist und fuhren voll beladen Wildwasser bis zum III.Grad.


Schwierige, nicht fahrbare Passagen treideln wir so oft es geht. Speziell im Oberlauf des George River gab es derart enge Blockstellen, dass dabei die Außenhaut angescheuert wurde. Das ist kein Grund zur Panik. Weiteres Reißen wird durch die Struktur des Gewebes verhindert und eine Reparatur ist mit dem Reparaturset schnell und zuverlässig erledigt.


Die Portage – die letzte Option, wenn weder Durchfahren noch Treideln möglich ist. Das geringe Gewicht von 17,5 kg (mit Persenning ca. 20 kg) erleichtert das Umtragen ungemein und ist auch für Petra und Sarah problemlos möglich.


Auch wenn das große Ziel erreicht ist, das Ende einer Tour ist doch immer ein wehmütiger Moment. Das Auseinandernehmen und Zusammenlegen der Allys ist schnell erledigt und hat etwas Endgültiges. Die Tage in der Wildnis sind zunächst vorbei und meine Gedanken schwirren von der Erinnerung des gerade Erlebten schon wieder voraus zu neuen Zielen.
(Foto: Ankunft in Kangiqsualujjuaq / Ungava Bay)


Mehr zu den Allys auf unserer Homepage in den Reiseberichten Labrador und Durch die Brooks Range zum Eismeer, sowie im Erfahrungsbericht im Ally-Katalog unter Medien. Ausführliche Produktinfos, Händlerverzeichnis etc. bei Bergans of Norway.

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Dagger Legend 16 ft

Den Legend fahren wir seit 1994. Obwohl bei Dagger in der Kategorie “Touren-Kanadier” geführt, ist es wohl einer der am besten für den Wildwasser-Einsatz geeigneten Kanus dieser Kategorie. Seine Form und die robuste Bauweise mit den verstärkten Enden machen ihn nahezu unverwüstlich. Die hohe Stabilität und Manövrierfähigkeit bedingen natürlich auch, dass der Legend nicht zu den schnellsten Booten gehört. Für den überwiegenden oder ausschließlichen Einsatz im Zahmwasser ist er deshalb nicht zu empfehlen. Im Wildwasser oder schwer beladen auf Tour oder gar im Expeditionsbereich auf Flüssen mit anspruchsvollen Wildwasser-Passagen ist er erste Wahl.
Leider ist die Firma Dagger aus dem Canadier-Geschäft ausgestiegen und ein Nachfolger, der den Legend weiter baut, hat sich unseres Wissens bisher nicht gefunden. Unter Umständen ist das Kanu gebraucht zu bekommen und dann, guter Zustand vorausgesetzt, in jedem Fall eine Empfehlung für diejenigen, die im Touren-Kanadier gern und oft ins Wildwasser wollen.

Technische Daten:
Länge: 488 cm
Breite: 89 cm
Höhe: 43 cm
Kielsprung Bug/Heck: 5 cm
Gewicht: 31 kg
Bootsform: symmetrisch
Zuladung: ~ 500 kg
Material: Royalex

Wildwasser-Outfit:
- Spitzen-Auftriebskörper in Bug und Heck
- Großer Auftriebskörper in der Mittelsektion fixiert durch Baumwollplane
- Kniegurte für Bug und Heckposition
- Schwamm / Wasserschöpfer (im Bild nicht sichtbar)
- Wurfsack 18 m
- Ersatzpaddel (steckt griffbereit unter der Baumwollplane)
- 1.Hilfe-Päckchen (griffbereit seitlich an der Baumwollplane)
- Kniepolster (2 Evazote Sitzkissen, Länge x Breite x Stärke: 34 x 30 x 2,8 cm, geschlossenzellig, dadurch keine Wasseraufnahme, geteilt auf 17 x 30 cm und in Bug- und Heckposition jeweils links und rechts eingeklebt. Erspart das nervige An- und Ablegen von Knieschützern)


Fahreigenschaften

In Bug- und Heckbereich verbreitern sich die Bordwände von der Kiellinie nach oben deutlich (= Flare). Das heißt, der Legend läuft an den Enden nicht so spitz zu, wie die meisten Canadier. Das so entstehende größere Volumen sorgt für mehr Auftrieb. Der Legend schneidet nicht in die Wellen hinein, sondern drückt das Wasser mehr zur Seite weg. Das Resultat sind ein höherer Widerstand, welcher zu Lasten der Geschwindigkeit geht, aber auch ein sehr guter Trockenlauf, wodurch weniger Wasser übergenommen wird.
Während spitz zulaufende Kanus bei Manövern wie auf dem nebenstehenden Bild schnell “abgefüllt” werden, läuft der Legend noch lange trocken. Es ist ein sehr sicheres Kanu, mit dem man im Wildwasser viel Spaß haben kann.

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